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Welle und
Teilchen:
Möglichkeit und Realität
Zu Beginn des 20.
Jahrhunderts wurde entdeckt, dass für die zutreffende Beschreibung von
Licht, sowohl die Eigenschaften von Wellen, als auch die Eigenschaften
von Teilchen herangezogen werden müssen. Die Welle (Frequenz) erklärte
z.B. die verschiedenen Farbspektren des Lichts; das Teilchen (Photon)
wurde notwendig um gewisse Interaktionen zwischen Strahlung und
Elektronen zu erklären, vergleichbar dem Zusammenprall von
Billardkugeln.
In der Folgezeit wurden die Zusammenhänge jedoch immer verwirrender,
und entfernten sich immer weiter vom "gesunden Menschenverstand". Das
Doppelspalt-Experiment zeigt dies am deutlichsten: Man nehme eine
Mauer mit zwei dünnen senkrechten Schlitzen, und stelle sich vor, dass
diese Mauer, quasi wie eine Kaimauer von Wasser umspült sei. Was
passiert nun, wenn ich einen Stein auf der einen Seite der Mauer ins
Wasser werfe ? Das Wasser bildet konzentrische Wellen um den "Einschlagsort"
des Steines. Diese Wellen durchdringen die Mauer nur an den beiden
Schlitzen. Sie treten auf der anderen Seite der Mauer ebenfalls als
konzentrische Wellen aus, als hätte man nun zwei Steine gleichzeitig
ins Wasser geworfen. Diese Wellen verlaufen genau im Gleichtakt und
bilden an den Orten, wo sie sich treffen, Verstärkungen (die Wellen
addieren sich) oder sie heben sich auf, dort wo Wellenberg und
Wellental zusammentreffen.
Dieses Phänomen nennt sich Interferenz, und lässt sich genau so bei
Licht im Doppelspalt Experiment beobachten, wenn man Licht durch einen
Doppelspalt auf einen Projektionsschirm wirft.
Wenn man davon ausging , dass Licht eine Welle sei, war soweit alles
kein Problem.
Wie konnte man aber die Teilchennatur des Lichts mit diesen
Beobachtungen in Einklang bringen ? Sicher, zuerst denkt man eben an
ein Teilchen, dass vielleicht in Wellenbahnen sich vorwärts bewegt,
und durch seine Geschwindigkeit den Eindruck einer Welle hervorruft.
Aber Teilchen ist Teilchen, will sagen, hat einen genauen Ort, eine
genaue Geschwindigkeit usw. D.h. man müsste messen können, wann
welches dieser Lichtteilchen durch welchen der beiden Spalten fliegt.
Aber egal welche Versuchsanordnung man sich ausdachte: in dem Moment
wo man Teilchen maß , verschwand die Interferenz wie von Geisterhand
und das Licht bestand nur noch aus Teilchen, die wie aus einem
Maschinengewehr geschossen durch die beiden Spalten flogen, und
keinerlei Interferenz bildeten, von Wellen plötzlich keine Spur mehr!
Es stellte sich im Verlaufe der Zeit im klarer heraus: Man kann nur
eine Eigenschaft genau messen, alle weiteren unterliegen der
sogenannten Unschärfe. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass der
Beobachter selbst zum Teil des Szenarios wird: Erst das was ich
betrachte wird real !
Das Licht bleibt eine Welle solange, bis ich eine konkrete
Möglichkeit, nämlich ein Teilchen, herausgreife und betrachte. Dann
verlieren die anderen Möglichkeiten ihre Realität. Die Wellennatur des
Lichts trägt also so etwas wie eine statistische
Möglichkeitsverteilung (oder: viele Welten / Realitäten) in sich.
Genau das Gleiche trifft für die Welle des radioaktiven Verfalls zu.
Ich kann nicht vorhersagen, wann ein Verfall stattfindet, genauso
wenig, wie ich vorhersagen kann, wann ein Photon durch welchen Spalt
fliegen wird. Ich kann nur sagen, dass eine mehr oder weniger hohe
Wahrscheinlichkeit für einen Verfall besteht. Ob der Verfall
stattgefunden hat, oder nicht, muss ich messen (betrachten), und
dadurch in die Realität heben.
Erwin Schrödinger, ein österreichischer Physiker, verdeutlichte diesen
Sachverhalt mit dem Bild einer Katze in einem Kasten. Eine Ampulle mit
Gift ist verbunden mit einem Geigerzähler, der in dem Moment, wo ein
Zerfall stattfindet, einen Mechanismus auslöst, der die Ampulle
zerstört und dadurch die Katze tötet. Ich kann nun in keiner Weise
eine Aussage darüber machen, ob die Katze lebt, oder bereits gestorben
ist, solange ich nicht in den Kasten hinein schaue. Erst dann erlöse
ich die Katze aus ihrem statistischen Dämmerschlaf. Solange ich nicht
hinein schaue in den Kasten, bleibt die Katze eine statistische
Wahrscheinlichkeits-Welle, oder sie ist tatsächlich gleichzeitig tot
und gleichzeitig lebendig, eben in verschiedenen Welten, aus denen ich
eine Welt herausgreife durch die Beobachtung, und zu dem mache was wir
Realität nennen.
Denkbar sind also
zahlreiche weitere Welten, die in jedem Augenblick des Universums
entstehen und auch fortbestehen, die wir als Beobachter nur nicht
ausgewählt haben, so dass das, was wir als Realität bezeichnen das
Produkt ständiger Entscheidungen zwischen verschiedenen
Welten-Möglichkeiten darstellt. Betrachte ich z.B. einen Stern, ist
schon aus Möglichkeit Realität geworden ! Wobei die einmalige
Betrachtung ausreicht um diese Realität zu begründen.
Realität heißt dabei eben: die Realität des Universums, die wir
wahrnehmen. Erst wir konkretisieren durch die Betrachtung die Gestalt
und Definition (= Begrenzung) verschiedenster Stern-Möglichkeiten. Die
Vergangenheit ist definiert, eindeutig, herausgeläutert aus dem Ozean
der Weltenmöglichkeiten. Alles was wir um uns wissen, ist in diesem
Sinne Vergangenheit, hat sich bereits für eine definierte
Daseinsmöglichkeit entschieden.
Der Mensch als Betrachter:
Sinn statt Statistik
Jetzt könnte man fragen,
wie fing denn alles an, wie kam es denn dazu, dass aus dem Meer von
statistischen Möglichkeiten heraus, gerade die Optionen letztlich zu
unserem Realitäts-Inventar geworden sind, die uns umgeben ? Weil alles
zufällig so gekommen ist ? Weil alles statistisch so am ehesten hätte
kommen müssen ?
Menschliches Betrachten funktioniert entsprechend gewissen
Gesetzmäßigkeiten, die mit Statistik, oder Zufall nichts zu tun haben.
Wenn wir das Meer betrachten, sehen wir auch die Wellen und die
Tropfen; betrachten wir die Wüste, sehen wir die Dünen und das
Sandkorn. Was also tun wir ?
Wir geben Namen für Dinge, die für uns einen Sinnzusammenhang bilden.
Wir lösen diese Dinge durchaus aus einem Gesamtzusammenhang (aus einem
Meer von Möglichkeiten) heraus. Diese Teilchen, die wir da
herausgelöst haben, sind jedoch herausgelöst durch ihren Sinn.
Menschliches Betrachten bedeutet also Namen zu geben, Sinn zu geben
und dadurch "Teilchen" herauszulösen.
Natürlich lösen wir nicht
ständig Teilchen aus Gesamtzusammenhängen. Manchmal betrachten wir
auch Gesamtzusammenhänge, also die Wellen, die alles verbinden. Eben
dann, wenn wir nicht nach dem Sinn fragen. Wir treten dann aus der
Analysis heraus und werden selbst zum Teilchen, "lassen los" und
übergeben uns dem Strudel der Möglichkeiten. In uns Menschen existiert
also offenbar bereits diese Wellen / Teilchen Dualität gegeben durch
Gefühl (= Verbundenheit) und Verstand (= Differenzieren)
Wenn die Realitäten unseres
Universums sich durch unsere menschliche Art der Betrachtung
herausgeformt haben, dann müssen wir zu der Aussage kommen, dass
Teilchen Realität und Sinn tragen.
Das Wort verbindet Welle
und Teilchen:
Der Sinn ist in den Dingen
Goethe schreibt in seinem
Faust:
Geschrieben steht: "Im Anfang war das Wort!"
Hier stock ich schon ! Wer hilft mir weiter fort ?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass Deine Feder sich nicht übereile !
Ist es der Sinn der alles wirkt und schafft ?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft !
Doch auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist ! auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat !
Es ist in der Tat ein
eigenartiger Urbeginn, der da mit einem Wort anfängt !
Man hätte sich Gott ja auch als einen Handwerker vorstellen können,
der die
Welt Stück für Stück zusammenbaut, so wie dies hier von Goethe
gefordert
wird.
Aber recht betrachtet steckt doch alles in diesem Welten Wort. Das
Wort
wird zur Welle, zum Gesang, zum Schöpfungsklang, wenn ich nicht nach
dem
Sinn frage, sondern mich ganz dem Klang hingebe. Dann habe ich die
Schwingung, den Tanz der Elemente, dann offenbart sich mir der Sinn,
der in
allem steckt, den alles gemeinsam teilt, ohne, dass ich beginne etwas
herauszulösen.
Für die Kabbalisten war dies der Name Gottes. Der Name, der sich
ergibt,
wenn ich alle Wörter der Thora ungetrennt belasse, oder künstlich
trenne,
also nicht nach dem Sinn frage.
Im Aum der Yoga Meditation schwingt ebenfalls diese bedeutungslose
Urschwingung mit, in der doch alle Bedeutungen enthalten sind.
Nehme ich das Wort nicht als Schwingung, als Gesang, sondern als Namen
von
seinem Inhalt her, so zeigt es mir den Schöpfungsakt, in dem Gott
zugleich
auch als Betrachter auftritt:
Gott sprach: Es werde Licht.
Und es wurde Licht.
Gott sah, dass das Licht gut war.
Umgekehrt beim Menschen:
Gott der Herr formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle
Vögel
des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie
benennen
würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es
heißen. (Gen 2: 19)
Der Mensch gibt hier also Namen, er gibt aber Namen für "Teilchen"
denen der
Sinn bereits innewohnt (denn die Tiere sind ja bereits als Tiere
erschaffen!).
Demnach wäre unsere Realität, eine von uns als Betrachter gewählte
Realität
aus verschiedensten Quantenmöglichkeiten,
wobei wir die Möglichkeiten gewählt haben, die Sinn enthalten.
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